EIAG



HAUS IM NETZ

TENSION

Im Zuge der Erweiterung Kunstsammlung NRW K20 transformiert eine innovative Netzhaut die Schnittstelle von Brauchtum und Kunst. Parallel zur Quadriennale 2006 umspannt der Düsseldorfer Künstler Tim Eiag ein unbewohntes Haus auf der Ratinger Strasse mit 11 km Geschenkband. Die wachsende und immer dichter werdende "Netzhaut" war Attraktion und Anziehungspunkt für viele. Das Werk bündelt strategische Blickpunkte und visualisiert ein poetisches Geflecht. Die temporäre Installation verändert das Image der Düsseldorfer Altstadt, schärft das Profil der Landeshauptstad und deckt verborgenes auf. Das poetische Geflecht verbindet Künstler mit Betrachtern und erschließt kreative Zusammenhänge. Mit der szenographischen Installation werden visuelle Medien begreifbar und Raum-Achsen sichtbar gemacht. Am Knotenpunkt von Szene und Kunst verändert das Werk die Infrastruktur, generiert ein Gefühl für Urbanität und hinterfragt die Sicht auf Architektur. Die markante Zumutung füllt den Spannungsbogen von Brache zu Nutzwert und funktioniert als Scharnier zwischen etabliertem Kunstbetrieb und Off-Space. Unter dem Eindruck der schwebenden Abrissbirne geben die Verschnürungen dem Haus eine besondere Würde. Parterre war einst die legendäre Künstlerkneipe SCHLONZ und in den oberen Etagen residierten Gastprofessoren der Kunst-Akademie. Erst von Unten bis Oben zu einer Netzhaut verwoben, dann fest verknotet und verzurrt, wird das Farbgeflecht zum Hingucker und zeichnet den Ort als etwas besonderes aus. Besucher verweilen vor der raumgreifenden Skulptur und Artflaneure fotografieren begeistert den schöpferieschen Gegenpol zur klassischen Kunst-Fassade.  Die Arbeit erinnert an prozessuale Kunst im Beuys´schen Sinne und dockt an das von Marcel Duchamp realisierte Werk " 16 Miles of Strings "(1942) an. Sein surrealistisches Leitsystem bestand aus verknoteten Schnüren, versperrte den Weg und schränkte die Aussicht ein. Seine Position wurde für die Kunstdiskurse der Gegenwart von zentraler Bedeutung, denn sie transformierte und aktualisierte die Mythologie des Ariadnefadens. Verwoben oder verknotet, konnte der Faden seine Funktion als Wegweiser aus dem Labyrinth des hybriden Monsters Minotaurus nicht erfüllen und wurde zum Medium.    Mit seinem Werk " Haus im Netz " zitiert der Artmiral diese Position, baut eine retrogardistische Brücke und installiert eine temporäre Plasik. Die transmediale Netzhaut schärft den Blick für die Kunst der Gegenwart, focussiert einen Geschichtsträchtigen Art-Point und verknüpft Erinnerungs-Kultur mit Urban Art.

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